Page 66 - RINGFOTO MAGAZIN
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ausstieg.




















                         „Die besten Bilder entstehen nicht,

                        weil wir sie erzwingen, sondern weil

                         wir bereit sind, wenn sie kommen.“


                                                FLORIAN SCHUSTER
                                                Herausgeber CHIP FOTO-VIDEO


                                      asser bewegt sich anders als   ein Vogel den Horizont kreuzt, wie sich
                                      wir. Es eilt nicht, auch wenn   der eigene Atem allmählich beruhigt.
                            W es manchmal stürzt. Es          Plötzlich ist nicht mehr nur das Bild da –
                            taucht in jeder Form auf – als Bergsee am   sondern auch der Moment davor.
                            frühen Morgen, als Nebel über dem Moor,   Wasser bringt zudem etwas mit, das
                            als Regen auf nassem Kopfsteinpflaster.   uns guttut: Es zeigt uns, was wir nicht
                            Wer beginnt, Wasser zu fotografieren,   beeinflussen können. Den Wind, der den
                            merkt schnell: Hier funktioniert kein   Bergsee im letzten Moment kräuselt. Die
                            Schnappschuss.                    Wolken, die sich verschieben, wenn die
                               Eine Sekunde Belichtungszeit am   Belichtung sitzen würde. Die Welle, die
                            Wasserfall, drei Minuten am Meer, zehn   nicht so hoch wird wie erhofft. Wasser hat
                            Minuten Warten auf die richtige Welle,   keinen Plan – und genau das ist seine
                            den Moment, in dem Spiegelung oder   Lehre: Die besten Bilder entstehen nicht,
                            Bewegung den Rahmen geben. Fotografie-  weil wir sie erzwingen, sondern weil wir
                            ren am Wasser ist eine Schule der Geduld   bereit sind, wenn sie kommen.
                            – das Gegenteil von dem, was uns Smart-  Vielleicht sind es genau diese Momen-
                            phones antrainieren.              te, in denen Fotografie wieder das wird,
                               Vielleicht ist das der Grund, warum   was sie eigentlich ist: eine Form, in der
                            sich am Wasser so viele Fotografen sam-  Welt zu sein. Mit offenen Augen, ruhigem
                            meln. Nicht weil das Motiv besonders   Atem – und einem Stativ, das nicht wa-
                            schwer wäre, sondern weil es uns zwingt,   ckelt. Manchmal reicht das schon.
                            einen Gang zurückzuschalten. Wer wartet,     Manchmal ist das alles.
                            sieht nebenher, wie das Licht wandert, wie









                                             Die nächste Ausgabe
                                        erscheint am 13. August 2026

      66   JULI/AUGUST 2026
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